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Name des Begriffes: Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Kurze Einführung

  • Ein Triglycerid besteht aus 1 Glycerin-Molekül, das an 3 Fettsäure-Moleküle gebunden ist.
  • Fettsäuren bestehen aus einer unverzweigten Kette mit einer geraden Anzahl an Kohlenstoffatomen (C), die mit jeweils zwei Wasserstoffatomen (H) besetzt sind. Am einen Ende der Kette befinden sich 3 H-Atome (Methyl-Ende) und am anderen Ende eine Carboxy-Gruppe (COOH). Durch die Carboxy-Gruppe wird die Verbindung zur Säure.
  • Fettsäuren unterscheiden sich in der Länge der Kohlenstoffkette und der Zahl der Doppelbindungen in der Kette.
  • Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LCPUFAs):> 20 C-Atome.
  • Fettsäuren können gesättigt oder ungesättigt sein.
  • Ungesättigte Fettsäuren weisen eine oder mehrere Doppelbindungen zwischen den C-Atomen (und den dort fehlenden 2 H-Atomen) auf.
  • Die Doppelbindungen bei ungesättigten Fettsäuren verursachen einen Knick im Molekül, der dazu führt, dass das Molekül bei Zimmertemperatur flüssig bleibt. Dieser Knick in der Struktur macht die Zellmembran (die Schicht, die die Zelle umgibt) geschmeidig und durchlässig, so dass Nährstoffe in die Zelle eindringen und Abfallstoffe die Zelle verlassen können.
  • Je nach Anzahl der Doppelbindungen werden Fettsäuren als einfach ungesättigt oder mehrfach ungesättigt eingestuft. Die weitere Klassifizierung der mehrfach ungesättigten Fettsäuren richtet sich nach der Position der ersten Doppelbindung.
  • Mehrfach ungesättigte cis-Fettsäuren: > 1 Doppelbindung zwischen den C-Atomen
    • ω-3 (Omega-3/n-3: Position der Doppelbindung = 3) Fettsäuren: Beispiele: Eicosapentaensäure (EPA) C20:5 und Docosahexaensäure (DHA) C22:6).
    • ω-6 (Omega-6/n-6: Position der Doppelbindung = 6) Fettsäuren: Dihomo-γ-Linolensäure (DGLA) C20:3 und Arachidonsäure (ARA) C20:4.

Vorwiegende Quellen in der Nahrung

  • Je nach Ernährungsweise der Mutter findet man diese Fettsäuren auch in der Muttermilch.
  • EPA und DHA: Lachs, Hering, Makrele, Sardine.
  • DGLA: nur in Spurenmengen in tierischen Produkten (Innereien) enthalten.
  • ARA: Fleisch, Eier.

Hauptfunktion

  • Für normales Wachstum und eine normale Entwicklung.
  • Für die Entwicklung des Gehirns in der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit sowie für ein lebenslang gesundes Gehirn. Für die kognitiven Fähigkeiten (Gedächtnis und Gehirnleistungen) sowie Verhaltensentwicklung.
  • DHA ist der Hauptbestandteil (50%) der Netzhaut (lichtempfindliche innere Augenhaut) und ist essentiell für die Entwicklung des Sehvermögens.
  • In den Zellmembranen erfüllen die LCPUFAs spezielle Rollen, die einen Beitrag zur Immunzellantwort leisten. Studien belegen, dass sich die Einnahme von LCPUFAs im frühen Kindesalter förderlich auf die Entwicklung des Immunsystems auswirken kann.

Mangelerkrankungen

  • Risiko von Herz- und Gefässerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) und Arteriosklerose.
  • Anzeichen und Symptome eines Omega-3-/Omega-6-Mangels: u. a. allergische Reaktionen oder Überempfindlichkeiten (Ekzem, Asthma und Heuschnupfen), Sehstörungen (u. a. schlechte Nachtsicht), Aufmerksamkeitsstörungen (Konzentrationsschwäche, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme), Störungen des emotionalen Gleichgewichts (Depression, starke Gefühlsschwankungen und Ängstlichkeit), Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie Störungen des Immunsystems (erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen und Infektionen sowie schlechte Wundheilung).
  • Bei Säuglingen und Kindern können Wachstumsstörungen auftreten. Studien bei Kindern belegen die negativen Auswirkungen auf die neurokognitive Entwicklung, zusammen mit einer Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten (Gedächtnis und Gehirnleistungen) und Verhaltensentwicklung.

 

Obwohl es für EPA, DHA, DGLA und ARA keine DRI-Richtlinien gibt, empfehlen die Nationalen Akademien, dass etwa 10% des ADMR (Acceptable Macronutrient Distribution Range) von ALA (α-Linolensäure, C18:3, Vorläufer EPA und DHA) in Form von EPA und/oder DHA eingenommen werden kann (Alterskategorie > 1 Jahr).

Synonyme: LCPUFA

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