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Name des Begriffes: Molkenprotein, teilweise hydrolysiert

Kurze Einführung

  • Die Kuhmilchallergie (KMA) ist eine Überempfindlichkeitsreaktion auf das Protein in der Kuhmilch, die mit einer Reaktion des Immunsystems einhergeht. Diese Überempfindlichkeitsreaktion ist der am häufigsten vorkommende Grund für Lebensmittelallergien bei Säuglingen und Kindern unter 3 Jahren.
  • Atopie bezeichnet eine erbliche Veranlagung für die Entwicklung direkter Überempfindlichkeitsreaktionen, beispielsweise gegenüber dem Kuhmilchprotein.
  • Rund 50 % der betroffenen Kinder entwickeln nach dem ersten Lebensjahr eine Toleranz gegenüber dem Kuhmilchprotein. Bei Säuglingen, die eine KMA überstanden haben, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie später (atopische) Symptome wie Asthma, Heuschnupfen oder Dermatitis entwickeln. Dies wird als Atopiker-Karriere oder als «natürlicher Verlauf der atopischen Erkrankung» (atopic march) bezeichnet.
  • Bei den meisten Menschen erkennt das Immunsystem Milchprotein als harmlos an und toleriert dieses. Bei Allergikern wird eine Überreaktion des Immunsystems hervorgerufen und das Milchprotein irrtümlicherweise als einen Fremdkörper eingestuft, der bekämpft werden muss.
  • Das Immunsystem produziert dann vermehrt IgE-Antikörper, sobald es dem Antigen (dem Protein) ausgesetzt ist. Diese IgE-Antikörper besetzen die Oberfläche bestimmter Zellen (Mastzellen), die beispielsweise in der Haut, in den Lungen, im Verdauungstrakt, im Mund, in der Nase und den Augen vorhanden sind.
  • Wenn dann erneut Milch getrunken wird, erkennt das Immunsystem das Milchprotein als fremdes Molekül und löst eine Offensive aus: Mastzelle und IgE docken an eine bestimmte Stelle (Epitop) am Milchprotein an und triggern die Freisetzung von Histamin, welches allergische Symptome auslöst.
  • Reaktionen können innerhalb weniger Minuten bis mehrere Tage nach dem Milchverzehr eintreten.
  • Die Symptome und Anzeichen können milde bis schwerwiegend sein und mehrere Organsysteme betreffen, meist den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und die Haut. Diese Symptome (z. B. Übergeben, Rückfluss, Durchfall, Pfeifatmung, Asthma, Hautausschlag, atopisches Ekzem) sollten jedoch nicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden.
  • Studien belegen, dass Säuglinge ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer KMA haben, wenn in der Familie andere atopische Erkrankungen (wie Heuschnupfen oder Asthma) vorkommen.
  • Für Säuglinge, die nicht gestillt werden und auf die dieses erhöhte Allergierisiko zutrifft, wird eine spezielle hypoallergene oder HA-Säuglingsnahrung empfohlen. Säuglinge, bei denen bereits eine KMA festgestellt wurde, sollten eine andere Art der Säuglingsnahrung erhalten.

Hauptfunktion

Eine Säuglingsnahrung auf der Grundlage teilweise hydrolysierten (Molken-)Proteins senkt das Risiko, eine Allergie zu entwickeln.

  • Das Allergiepotenzial des Milchproteins wird durch die enzymatische Hydrolyse (Abbau) des Proteins reduziert.
  • Die enzymatische Verdauung spaltet das Protein in kleinere Peptide. Dies senkt die Zahl der Epitope (die Stellen auf der Oberfläche des Proteins, die vom Immunsystem erkannt werden) und damit auch signifikant das Allergiepotenzial.
  • Je stärker das Protein hydrolysiert wurde, desto kleiner sind die Fragmente und desto niedriger das Allergiepotenzial des Produkts.
  • Dadurch entsteht eine Mischung aus Peptiden mit unterschiedlich langen Ketten. Je nach Hydrolysegrad können Proteine teilweise oder intensiv (stark) hydrolysiert sein.
  • Die Teilhydrolysate werden einer milden Hydrolyse ausgesetzt und dienen zur Allergievorbeugung.
  • Sie senken bei Säuglingen mit einer familienbedingten Veranlagung die Gefahr, tatsächlich eine Allergie zu entwickeln.
  • Die Peptidketten können das Immunsystem anregen, «normal» auf das Kuhmilchprotein zu reagieren. Das Immunsystem wird sozusagen «erzogen», normales Milchprotein zu tolerieren.
  • Durch die reduzierte Kettenlänge des Kuhmilchproteins erhält die Säuglingsnahrung einen anderen Geschmack als normale Säuglingsnahrung, der jedoch im Allgemeinen gut angenommen wird.
Synonyme: Teilweise hydrolysiertes Molkenprotein

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